4.6 Dialog mit Kreditinstituten und Vermögensverwaltern

Ethisch-nachhaltige Aspekte sollen nicht nur in den Entscheidungsprozess eines Investors bei der Wahl nach der richtigen Geldanlage einfließen, sondern auch bei der Auswahl einer Bank oder eines Vermögensverwalters zum Tragen kommen. Dieser Prozess sollte auch bereits bestehende Geschäftsverbindungen einbeziehen und so zu einem Dialog ausgebaut werden, denn das Vertrauen der Geldanleger kann nicht einfach auf Dauer unterstellt werden, sondern muss stets aufs Neue durch ethisch nachhaltige Geschäftspraktiken und entsprechende Produktangebote erworben werden. Das gilt grundsätzlich für alle Kreditinstitute und Vermögensverwalter unabhängig von der Größe, der Rechtsform oder der Tätigkeit.

Insofern empfiehlt sich die Aufnahme und Beibehaltung eines Dialogs ethisch-nachhaltiger Anliegen mit Banken und Vermögensverwaltern.

Wesentliche Gesichtspunkte bei der Auswahl und im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit entsprechenden Unternehmen sind:

  • Transparenz und Offenheit,
  • Orientierung an langfristigen Geschäftserfolgen,
  • Integration von Ethik- und Nachhaltigkeitsaspekten in Strategie, Kerngeschäft und laufende Geschäftstätigkeit.

Um einen Einblick zu gewinnen, ob Banken und Vermögensverwalter diesen Prinzipien und Kriterien entsprechen, können ihnen gegenüber die im Folgenden genannten Themen angesprochen werden. Die Auskunftsfähigkeit in einem solchen Dialog sowie ein Verweis auf einen aussagekräftigen Nachhaltigkeitsbericht sind wichtige Hinweise auf den Stellenwert ethisch-nachhaltiger Gesichtspunkte für das jeweilige Unternehmen.

  • Fließen soziale und ökologische Nachhaltigkeitskriterien (ESG-Kriterien) in die Anreizsysteme und Vergütungsgrundsätze ein?
  • Gibt es Informationen zu Effektivsteuerquote* und Steueraufwand des Unternehmens? Gibt es bei international tätigen Unternehmen einen Überblick über deren regionale Aufteilung – insbesondere im Hinblick auf Offshore*-Finanzplätze?
  • Welcher Anteil am Kreditvergabevolumen wird nach ESG-Kriterien vergeben?
  • Welcher Anteil am verwalteten Vermögen (Assets under Management*) wird nach ESG-Kriterien gemanagt?
  • Sind bestimmte Geschäftstätigkeiten aus ESG-Gründen ausgeschlossen? Gibt es Beispiele für aus diesen Gründen nicht getätigte Geschäfte?
  • Welche Selbstverpflichtungen ist das Unternehmen eingegangen? Welche Prinzipien und Statements hat es unterzeichnet (UN Principles for Responsible
  • Investment, Equator Principles, UNEP* Statement of Commitment by Financial Institutions on Sustainable Development, ...)?

Je nach Interessenlage und persönlicher Gewichtung können auch andere und weitere Themen und Fragen zur ethisch-nachhaltigen Ausrichtung der Unternehmen in eine laufende Diskussion mit den Banken und Vermögensverwaltern eingebracht werden.

Den Kirchenbanken kommt in diesem Kontext eine besondere Rolle zu. Sie sind als genossenschaftlich organisierte Banken größtenteils im Eigentum von kirchlichen Institutionen und diakonischen Einrichtungen. Kirchenbanken haben einen Förderauftrag für Kirche und Diakonie. Ihre Hauptaufgabe ist es, kirchliche Einlagen in Form von Krediten der Diakonie dienstbar zu machen und damit den binnenkirchlichen Finanzkreislauf zu organisieren.