Engagement im AKI

Drei Engagementprojekte des AKI:

Das Engagement mit den acht großen Finanzdienstleistern Allianz Global Investors, Commerzbank, DekaBank, Deutsche Bank, DZ Bank, HSBC, PIMCO und Union Investment erwächst aus dem Alltag kirchlicher Finanzverantwortlicher und bündelt deren Aktivitäten im AKI. Es ist die Umsetzung der im Leitfaden aufgestellten Forderung nach einem regelmäßigen Dialog mit Kreditinstituten und Vermögensverwaltern zu ethisch-nachhaltigen Anliegen (S. 38 f.). Ziele des Engagements sind zum Beispiel verbesserte Nachhaltigkeits-Policies für die Kreditvergabe (und deren Umsetzung) sowie das Unterzeichnen von Selbstverpflichtungen. Praktiziert wird das Engagement in Form von persönlichen Gesprächen der AKI-Fachgruppe Finanz mit Vertreterinnen und Vertretern der Unternehmen aus dem Vorstand, den Abteilungen Investor Relations, institutionelle Kunden und Nachhaltigkeit. Für die Gespräche wird in der Regel Vertraulichkeit vereinbart.

Vorgehensweise:

Für das auf drei Jahre angelegte Engagement „Lohn zum Leben“ wurden sieben börsennotierte Textilunternehmen aus Deutschland ausgewählt: adidas, Hugo Boss, Gerry Weber, Puma, Metro, Zalando und Tom Tailor.

Zu den sieben Unternehmen wurden vom Südwind-Institut Portraits erstellt. In diesen wurden alle vom jeweiligen Unternehmen veröffentlichten Informationen zum Thema Existenzlohn aufgelistet, darunter auch die von der Clean Clothes Campaign identifizierten Maßnahmen auf dem Weg zur Zahlung eines Existenzlohns. Diese sind:

  • Gewerkschaftsfreiheit
  • Mitgliedschaft in einer Organisation, die sich die Umsetzung des Existenzlohns zum Ziel gesetzt hat
  • Beschwerdemechanismus
  • Maßnahmen gegen die Diskriminierung von Frauen
  • Pilotprojekte zum Existenzlohn
  • Eindämmung der Zeitarbeit
  • Verbesserung der Produktivität
  • Integration des Existenzlohns in den Kaufpreis

Auf dieser Grundlage wurden mit den ausgewählten Textilunternehmen zwischen Oktober 2016 und April 2017 erste Gespräche geführt. Im Anschluss daran wurden über Kontakte zu Organisationen in den Produktionsländern Lohnabrechnungen gesammelt und ausgewertet. Diese ergaben, dass die tatsächlich gezahlten Löhnen zum Teil weit davon entfernt waren, existenzsichernd zu sein, selbst wenn vergleichbar moderate Systeme zur Berechnung des Existenzlohns verwendet werden. In einer zweiten Gesprächsrunde zwischen Januar und Oktober 2018 wurden die Ergebnisse dieser Recherche mit den Unternehmen diskutiert und nach Fortschritten in den oben genannten Bereichen gefragt.

Ergebnisse:

Das Thema des Engagements war aufgrund seines ausgeprägt kirchlichen Profils bewusst gewählt worden. Für den AKI ergibt sich ein solches Profil aus einer Kombination theologisch-ethischer Überlegungen („ein Arbeiter ist seines Lohnes wert“) und der entwicklungspolitischen Bedeutung. Existenzlöhne sind einerseits zentral für eine Verbesserung der Lebenssituation von Millionen von Textilarbeiterinnen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Sie sind ebenso entscheidend dafür, dass die im Textilsektor entstandenen Arbeitsplätze tatsächlich einen Beitrag zur Entwicklung in diesen Ländern leisten. Gleichzeit war von vornherein deutlich, dass es bei Textilunternehmen einen großen Widerstand gibt, dieses Thema ernsthaft zu behandeln, weil sie fürchten, dass eine Umsetzung zu höheren Preisen und geringeren Gewinnmargen führt.

In allen Gesprächen spielte diese Besonderheit des Themas eine große Rolle. Zwei Unternehmen blieben bis zum Ende des zweiten Gesprächs bei ihrer ausweichenden und abwehrenden Haltung. Andere nahmen sich des Themas an und machten erste Umsetzungsschritte. Hier hat das Engagement des AKI dazu beigetragen, dem Thema Existenzlöhne eine höhere Bedeutung für die  Corporate Social Responsibility zu verschaffen. Zwei Unternehmen erklärten sich erst bereit, zu berechnen, wie hoch ihr Einkaufpreis liegen müsste, um einen Existenzlohn zu bezahlen, legten diese Daten dann aber doch nicht vor. Der bedeutendste Meilenstein war der Entschluss eines Unternehmens, sich aufgrund des AKI-Engagements dem Bündnis  „ACT“ anzuschließen, das sich ausschließlich mit dem Thema Existenzlöhne beschäftigt.

Während das „Lohn-zum-Leben“ Engagement sehr intensive und in die Tiefe gehende Gespräche mit einzelnen Unternehmen vorsah, zielt das Klima-Engagement des AKI eher in die Breite. Es geht um Dekarbonisierung, die darum gegenwärtig ein vorrangiges ethisch-nachhaltiges Ziel kirchlichen Handelns ist, weil ohne sie auf der Ebene der Sozialverträglichkeit Werte wie Menschenrechte, Gerechtigkeit, Demokratie und Sicherheit bedroht sind, auf der Ebene der Ökologie zahlreiche Lebensräume und Artenvielfalt zerstört werden und auf der Ebene der Generationengerechtigkeit den kommenden Generationen die Lebensgrundlage entzogen wird. Die CDP-Ratings sind eine international anerkannte Klimaratingmethode für Unternehmen. Unternehmen können Maßnahmen ergreifen, um ihr CDP-Rating zu verbessern und auf diese Weise zur Dekarbonisierung beitragen. Für das Engagementprojekt werden Unternehmen ausgewählt, die in deutschen Indizes gelistet sind und bei CDP kein A-, (A-)- oder B-Rating erhalten.  Ziel ist es, diese Unternehmen dazu zu motivieren, sich von CDP raten zu lassen und notwendige Maßnahmen zu ergreifen, um mindestens ein B-Rating zu erzielen. Außerdem sollen ab 2018 die Unternehmen – wie von CDP gefordert – die Empfehlungen der von Michael Bloomberg gegründeten internationalen Task Force on Climate-related Financial Disclosure (TCFD) umsetzen. Dieses Projekt wird in der Form  von der britischen AKI-Partnergruppe, der Church Investors Group, bereits seit 2013 mit britischen Unternehmen praktiziert. Die Wirksamkeit des Vorgehens wurde von der Universität in Edinburgh untersucht und bestätigt. Der AKI füllt mit diesem Projekt die Partnerschaft mit der CIG mit Leben und beteiligt sich erstmals an einem internationalen Engagementprojekt kirchlicher Investoren – es soll nicht das Letzte bleiben.